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Wertschätzendes Erkunden - ein Perspektivwechsel
in der Wahrnehmung von Organisationen
| Ein geschichtlicher Rückblick |
Das Wesen des Verfahrens |
| Der Ablauf eines AI-Prozesses | Die Rolle des Begleiters |
| Anwendungsmöglichkeiten |
Ausblick |
Normalerweise konzentrieren wir uns am Arbeitsplatz auf
die Lösung von Problemen und Schwierigkeiten. Oftmals
wird dabei sogar eine Terminologie verwendet, die stärker
an Krieg und Auseinandersetzung erinnert. Wir sprechen vom
Kampf gegen..., von Fronten und Koalitionen. Was wäre
nun, wenn wir unsere Aufmerksamkeit vollends auf die positiven
Erlebnisse und Erfahrungen unseres Alltags lenken würden?
Appreciative Inquiry (AI) - das Wertschätzende Erkunden
bietet die Möglichkeit unsere Arbeit und Organisationen
mal in einem ganz anderen, positiven Licht zu betrachten.
Ein geschichtlicher Rückblick [...nach oben]
Zwei einschneidende Beobachtungen in der Geschichte der Organisationseinwicklung
haben den Weg zur Entdeckung des Wertschätzenden Erkundens
geebnet:
Erstens: Man hat im Laufe der Jahre festgestellt, dass die
Konzentration auf Probleme, Schwierigkeiten und Defizite bei
Veränderungsvorhaben unter den beteiligten Personen zu
einer einschränkenden Sichtweise führt, die sich
jeweils (nur) an der Verbesserung des Bestehenden orientiert
und nicht auf die Entdeckung neuer Möglichkeiten gerichtet
ist. Die Betrachtung von Problemen und Schwierigkeiten erzeugt
gleichsam eine Atmosphäre der Ohnmacht und Hilflosigkeit,
die nicht die Kreativität und Begeisterung fördert.
Zweitens: Wenn Veränderungen in einer Organisationen
von einer kleinen Gruppe von Führungskräften hinter
verschlossenen Türen in der Chefetage geplant werden,
dann sinkt (unabhängig von der Qualität des Plans)
die Bereitschaft unter den Betroffenen diese Pläne zu
akzeptieren und umzusetzen. Menschen, die nicht an der Erarbeitung
von Lösungen beteiligt waren, suchen nach Argumenten,
warum dieser (fremde) Plan gar nicht funktionieren kann. Ihnen
fehlt der Bezug dazu und sie werden sich nicht (oder nur mit
viel Aufwand oder Druck) dazu motivieren lassen, den fremden
Plan umzusetzen. Dieses Phänomen wird dann oft als Widerstand
übersetzt, mit dem man arbeiten (sprich: brechen) muss.
Ausgestattet mit diesem Wissen begaben sich die Forscher und
Berater David Cooperrider, Suresh Srivastva und ihre Kollegen
an der Case Western Reserve University in Cleveland, USA auf
die Suchen nach neuen Wegen der Organisationsentwicklung.
Sie wussten, das Entwicklungsprozesse, die auf Probleme oder
Defizite fixiert sind nicht zu der gewünschten Innovation
führen können. Weiterhin war ihnen klar, dass komplexe
Veränderungsprozesse in Organisationen nur gelingen können,
wenn sie vom Großteil der betroffenen Mitarbeiter getragen
und vorangebracht werden. Fertige Rezepte aus den Schubladen
der Vorgesetzten haben wenig Aussicht auf den gewünschten
Erfolg.
Damit stellten sie die klassischen Paradigmen zur Problemlösung
und des "Change Managements" in Frage und begannen
Organisationen stattdessen als Inbegriff von "beauty
and spirit" zu sehen. Sie suchten nach einem Verfahren
das a) auf die Zukunft gerichtet ist b) sich an den positiven
Werten und Erfahrungen der Organisation orientiert c) die
Betroffenen zu Beteiligten macht und d) interne und externe
Player effektiv vernetzt. Das Ergebnis war Appreciative Inquiry
- das Wertschätzende Erkunden.
Das Wesen des Verfahrens [...nach oben]
Das AI-Verfahren fußt auf mehreren Grundannahmen, die
zusammen genommen einen Rahmen für das Wahrnehmen und
Erkennen der positiven Werte und Erfahrungen von Teams, Organisationen
und Systemen bieten. Die Anerkennung dieser Grundannahmen
führt zu einem Perspektivwechseln in der Wahrnehmung
der betreffenden Organisation. Die Grundannahmen lenken gleichsam
von dem gewohnten Erkennungsmuster ab und führen den
Betrachter zu einer positiven Umdeutung der erlebten Realität.
Die Grundannahmen im einzelnen:
1. Gruppen, Organisationen und Systeme entwickeln sich in
die Richtung, wohin sie ihre Aufmerksamkeit lenken. Ist diese
Entwicklung an der Beseitigung von Störungen, Defiziten
und Problemen orientiert, so ist der Fokus des Handeln darauf
gerichtet das Bestehenden zu verbessern. Mit dieser Haltung
kann das Bestehende (vielleicht langsam) verbessert werden
- Neues wird damit jedoch nicht erschaffen. Lenkt man die
Aufmerksamkeit darauf, was alles schon gut läuft, entwickelt
mensch auch positive Visionen und ist motiviert Herausforderungen
mit Kreativität zu begegnen.
2. Jede Gruppe, Organisation und jedes System hat ungeahnte
und ungenutzte positive Potenziale, die hin und wieder schon
zum Vorschein kommen. Die Vergangenheit des kollektiven Handelns
bietet fast unerschöpfliche Ressourcen für Lernen
und Entwicklung. Sie ist reich an positiven Erfahrungen und
Erkenntnissen, die häufig brach liegen. Dieses "Gold"
ist im kollektiven Gedächtnis eingeschlossen und wartet
darauf entdeckt und genutzt zu werden.
3. Veränderung ist ein Dauerzustand. Gruppen, Organisationen
und Systeme sind laufend dabei sich an ein veränderndes
Umfeld anzupassen. "Change" ist kein isoliertes
Ereignis der Organisation oder in Teilen davon. Es passiert
andauernd und ist ein essessentielles Wesensmerkmal jeder
Organisation. Es gibt keinen finalen Zustand von "best
practice". Organisationen können nur dann erfolgreich
sein, wenn sie sich andauernd an die Veränderungen in
ihrem dynamischen Umfeld anpassen.
4. Gemäß dem Ausspruch von Ghandi gilt auch in
der Wertschätzenden Organisationsentwicklung: "Lebe
selbst die Veränderung, die Du in der Welt sehen willst."
Wertschätzendes Erkunden gelingt nur, wenn sich Personen
kongruent zu den gewünschten Veränderungen in Organisationen
verhalten. Das Verfahren setzt auf die Integrität von
Person und Organisation und wirkt auf der persönlichen
Ebene, der Beziehungs- und Organisationswirklichkeit gleichzeitig.
5. Unser gegenwärtiges Verhalten wird von unseren Zukunftsvorstellungen
geleitet. Wenn die Zukunft in einem positiven Kontext gesehen
wird, dann ist das persönliche Engagement höher,
wodurch sich auch die Leistungsfähigkeit der gesamten
Organisation verbessert. Stellt sich die Zukunft hingegen
in düsteren Farben dar, so sinkt die Leistungsbereitschaft
des Einzelnen und damit die Produktivität des gesamten
Systems.
6. Analyse und Intervention sind bei AI untrennbar miteinander
verknüpft. Es gibt keine objektive Beobachtung, denn
der Betrachter ist immer auch Teil des Systems, dem seine
Aufmerksamkeit gilt. Die erste Frage, die gestellt wird ist
auch der Ausgangspunkt für die Erkenntnis und damit auch
leitend für die Zukunftsvorstellungen, die wir entwickeln.
Auf dem Fundament dieser Grundannahmen hat sich das Konzept
des Wertschätzenden Erkundens entwickelt, das heute vom
Entdecker David L. Cooperrider wie folgt beschrieben wird:
"Das Wertschätzende Erkunden ist ein
kollektiven Suche nach dem Besten im Menschen, in Organisationen
und in ihrem Umfeld. Dies schließt eine Suche nach den
Faktoren ein, die dem System Vitalität verleihen, wenn
es humane, ökonomische und ökologische Bedürfnisse
optimal in Einklang bringt. AI ist auch die Kunst Fragen so
zu stellen, dass die verborgenen Ressourcen eines Systems
gestärkt und positive Potenziale aktiviert werden. Die
bedingungslos positive fragende Grundhaltung vermag es nicht
selten Hunderte oder sogar Tausende von Teilnehmern zu aktivieren.
Bei AI wird der Blick freigegeben für Visionen und Innovationen
anstelle von Negation, Kritik oder Problemversessenheit. AI
bedeutet Erkunden, Träumen Gestalten und Umsetzen. AI
geht davon aus, das in jedem System unentdeckte positiven
(und manchmal inspirierende) Ressourcen schlummern. Verbindet
man diese direkt mit einem Veränderungsprozess, so können
ungeahnte Innovationen in kurzer Zeit und auf demokratische
Weise umgesetzt werden."
Der Ablauf
eines AI-Prozesses [...nach oben]
Ein Workshop der nach der Methode des Wertschätzenden
Erkundens mit einer großen heterogenen Teilnehmerschaft
gestaltet wird, wird auch als AI-Summit bezeichnet. Dies ist
ein in sich geschlossener Ablauf, der 4 Phasen umfasst. Da
im Englischen die Bezeichnungen aller 4 Phasen mit dem Buchstaben
"D" beginnt, wird dies auch als der 4-D-Zyklus bezeichnet:
Discovery - Dream - Design - Destiny. Idealerweise
wird für jede der vier Phasen ein gesamter Tag aufgewendet,
sodass ein kompletter AI-Summit sich über 4 Tage erstreckt.
Es sind aber auch Abwandlungen davon möglich, z.B. für
jede Phase ½ Tag aufzuwenden, sodass der Summit dann
2 ganze Tagen in Anspruch nimmt. Mit den 4 Phasen wird erreicht,
dass die Teilnehmer nicht nur Visionen entwickeln, wie sich
ihre Organisation verändern soll, sondern es werden auch
konkrete Projekte geplant und Verabredungen getroffen, wer,
wann, welche Arbeitsschritte in Angriff nimmt, damit die Visionen
Wirklichkeit werden.
Phase 1: Discovery - Erkunden
In der ersten Phase des Summits wenden sich die Teilnehmer
den positiven Erfahrungen zu, die sie in der Vergangenheit
in ihrer Organisation / Abteilung / Team gemacht haben. Es
werden Duos gebildet, die sich gegenseitig mit Hilfe eines
einfachen Leitfadens interviewen. Ausgangspunkt des Interviews
ist die Frage nach einem Spitzenerlebnis (siehe auch Interviewleitfaden).
Jedes der Interviews nimmt ca. 20 min. in Anspruch. Die Ergebnisse
der Interviews werden in Stichworten auf Metaplankärtchen
festgehalten und dann in Gruppen vor jeweils sieben bis acht
Personen ausgewertet und verdichtet. Dies dient dem Austausch
und besseren Verstehen der Erkenntnisse. Leitfrage für
die Verdichtung ist: Welche der genannten Aspekte sind für
uns als Gruppe von besonderer Bedeutung?. Die Ergebnisse der
Kleingruppensequenz werden anschließend im Plenum ausgetauscht
und besprochen, wobei besonders herausragende Geschichte für
alle Teilnehmer wiederholt werden. Aufgrund des Austausches
über Spitzenerlebnissen, deren belebende Faktoren und
die dahinterliegenden Werte entsteht in dieser ersten Phase
eine positive Atmosphäre, die auch für die folgenden
Phasen das Fundament bildet.
Phase 2: Dream - Visionieren
Auf der Grundlage der Spitzenerlebnisse und der herausgearbeiteten
Werte wird in der Visionsphase der zukünftigen Status
modelliert. Leitfrage für diese Phase ist: Wie könnte
es sein, wenn die belebenden Faktoren und Rahmenbedingungen
hinter den positiven Erfahrungen verstärkt würden?
In diesem Arbeitsschritt schauen die Teilnehmer in die Zukunft
und stellen sich vor, dass ihre Organisation / Abteilung /
Team sich so entwickelt hat, wie sie es sich vorgestellt haben.
Sie beschreiben, wie ihre Lebens- und Arbeitswelt in drei
bis fünf Jahre sein wird. Die Wünsche aus den Interviews
sind inzwischen erfolgreich realisiert worden und die belebenden
Faktoren sind zur Grundlage des täglichen Handelns geworden.
Auf der Grundlage dieser Annahmen wird dann eine Zustandsbeschreibung
der Organisation / Abteilung / Team vorgenommen und die Teilnehmer
beschreiben, was in der Zwischenzeit passiert ist, welche
Maßnahmen ergriffen wurden und welche Veränderungen
eingetreten sind. Dabei orientieren sie sich an den folgenden
Arbeitsschritten:
| 1. |
Die Gemeinsamkeiten
in den Wünschen / Aussagen werden in Worte gefasst
und visualisiert. |
| 2. |
Auswählen
der wichtigsten Bausteine / Kernthemen der künftigen
Arbeit. |
| 3. |
Erarbeiten von
Zukunftsaussagen |
Diese Sequenz wird wieder in kleinen Gruppen absolviert.
Bei der Darstellung des künftigen Zustands stehen den
Teilnehmern vielfältige Medien und Materialien zur Verfügung.
Sie können ihre Zukunftsaussagen als Lied, Szene, Modell,
Sketch, Vortag etc. darstellen. Die Vielfältigkeit der
Darstellungsmöglichkeiten regt die Kreativität und
Phantasie an. Bei der Beschreibung der Zukunft werden unterschiedliche
Wünsche und Vorstellungen zwischen den Teilnehmern nicht
ignoriert; sie werden jedoch auch nicht zum Gegenstand von
Verhandlung gemacht. Die Gruppe spricht so lange darüber
bis die Unterscheide nicht mehr trennend zwischen ihnen stehen,
sondern als Facetten der Vielfältigkeit bereichernd angenommen
werden.
Phase 3: Design - Gestalten
Beim Gestalten steht die Fragen im Mittelpunkt: Welche Leitmotive
und Kerngedanken haben in der Zukunft besondere Bedeutung?
Welche Projekte müssen wir heute in Angriff nehmen, damit
die anvisierte Zukunft zur Wirklichkeit wird? Wie lassen sich
all unsere positiven Erfahrungen in die künftige Struktur
unserer Organisation / Abteilung / Teams einbetten? Es geht
um die Konstruktion und um die Planung des Neuen. Die Visionen
werden in fassbare Portionen heruntergebrochen und in unternehmerische
Kategorien verpackt, z.B. Führung, Personalentwicklung,
Dienstleistungen etc. Dieser Schritte bildet die Brücke
zwischen den Zukunftsaussagen und dem gegenwärtigen Zustand.
Phase 4: Destiny - Umsetzen
In der Umsetzungsphase stehen nun die Fragen im Mittelpunkt:
Welche Projekte müssen wir jetzt anpacken? Wofür
möchte ich Verantwortung übernehmen? Welche Unterstützung
brauche ich dafür, von wem?. Zentrales Element ist die
Verantwortung des Einzelnen und des Teams. Das Ergebnis der
vierten Phase ist ein konkreter Handlungsplan, der Aufschluss
darüber gibt, wer, was, mit wem und wann unternimmt.
Es werden konkrete Maßnahmen und Fristen verabredet
und veröffentlicht. Durch die konkrete Zuschreibung von
Verantwortung auf freiwilliger Basis erhöht sich die
Verbindlichkeit des Handlungsplans. Indem die Einhaltung des
Commitments durch jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer überprüft
werden kann, werden alle mitverantwortlich für die Umsetzung
der Verabredungen.
Aus dem hier geschilderten Vorgehen ergibt sich die Frage:
Was geschieht mit den Problemen? Verschiedenartige Herausforderungen
sind vorhanden und können auch durch die Wertschätzung
nicht aufgehoben werden. Die einfache Antwort lautet: die
existierenden Probleme kommen in den Interviews in der letzten
Frage zu den Wünschen zur Sprache. Dort werden sie in
positiv formulierte Wünsche umgewandelt und stehen damit
dem Prozess nicht mehr im Wege. Bei näherem Hinsehen
stellt man gleichwohl fest, dass Herausforderungen immer ein
Bestandteil der erlebten Realität sein werden und es
auch auf die Sichtweise ankommt, ob man sie als Blockaden
oder Handlungsanreiz betrachtet. Das Wertschätzende Erkunden
integriert diese Seite der Realität in ein ganzheitliches
Weltbild, denn die Sprache, die wir verwenden erschafft die
Realität, die wir wahrnehmen. Probleme werden damit nicht
ignoriert sie werden jedoch auch nicht zum dominierenden Leitmotiv
erklärt, was Ohnmacht und Hilflosigkeit provoziert. Dadurch
setzt man sich auch nicht endlosen Diskussionen aus, wer an
den Problemen Schuld ist und wessen Problem es eigentlich
ist. Der positive Tenor wandelt die Herausforderungen zu Meilensteinen
auf dem Weg zur anvisierten Zukunft.
Die Rolle des Begleiters [...nach oben]
Die Rolle des Begleiters kann am besten als "Agent der
Erkundung" umschrieben werden. Wie bei anderen Großgruppenmethoden
ist er für die Führung des Prozesses durch Zeit
und Raum verantwortlich und er hat keine eigene inhaltlichen
Ziele oder Agenda. Dafür ist es hilfreich, wenn sie/er:
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die Organisation als einen lebendiges soziales
System begreift und nicht als ein rein rationales Gebilde,
das eindimensionalen Ursache-Wirkung-Zusammenhängen
folgt, |
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gemeinsam mit der Gruppe an der Suche nach
den Faktoren arbeitet, die die Vitalität und Lebensqualität
der Organisation erhöhen, |
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sich selbst als Ermöglicher und Wegbereiter
für neue Visionen, Hoffnungen, begeisternde Ideen
und Pläne versteht und |
| |
sich ständig auf die Suche nach Gelegenheiten
begibt, sich überflüssig zu machen, um die Verantwortung
für den Prozess in die Hände der Teilnehmer
zu legen. |
Die Aufgabe des Begleiters ist es die Gruppe in ihrer Suche
nach Möglichkeiten zu unterstützen und nicht über
den Weg zu entscheiden, den die Gruppe einschlägt. Dabei
ist es wichtig auch Ungewissheiten auszuhalten und Äußerungen,
die nicht den eigenen Werten und Vorstellungen entsprechen
Raum zu geben. Ebenso wichtig ist es abweichende Meinungen
zu integrieren und nicht ins Abseits zu drängen. Der
Begleiter ist dabei nicht dafür zuständig, dass
alle Teilnehmer sich wohl fühlen und jedes Bedürfnis
Berücksichtigung findet.
Anwendungsmöglichkeiten [...nach oben]
Beispiel A
In einer Wohlfahrtsorganisation entstand der Bedarf nach der
Formulierung eines Leitbildes. Die schnell gewachsenen Bereiche
drohte sich zunehmend voneinander zu entfremden und die gemeinsamen
Grundsätze des Handelns verschwammen zusehends. Die Leitsätze
sollten in einem partizipativen Prozess nicht über die
Köpfe der Mitarbeiter hinweg, sondern mit ihnen formuliert
werden. Als Auftakt für diesen Prozess wurde in einer
eintägigen Veranstaltung mit ca. 100 Mitarbeitern mithilfe
des Wertschätzenden Erkundens die gemeinsamen Werte und
belebenden Faktoren ermittelt, die dann die Grundlage für
die Leitsätze bildeten.
Beispiel B
Im Kontext eines Strategieplanungsprozesses wurde in einer
Jungendhilfeorganisation am Vortag des eigentlichen Planungsverfahrens
die Vergangenheit mithilfe des Wertschätzenden Erkundens
zur Kenntnis genommen und anerkannt. Getragen von der Überzeugung,
dass die Vergangenheit nicht mehr zu verändern ist, sie
aber als wichtige Ressource von Lernen und Entwicklung genutzt
werden kann, haben 120 Mitarbeiter, Klienten und externen
Partner der Organisation die eindeutig positiven Erfahrungen
und Erlebnisse aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit zusammengetragen
und sie zu Kernaussagen verdichtet, die dann die emotionalen
und inhaltliche Grundlage für die Strategieplanung lieferten.
Beispiel C
Ein Jugendamt war mit der Aufgabe befasst, das neue Konzept
der sozialraumorientierten Jugendhilfe einzuführen, das
nur funktionieren kann, wenn alle Betroffenen und Beteiligten
auf eine neue Art zusammenarbeiten. Das Jugendamt lud Vertreter
von allen Interessengruppen aus der Jugendhilfe und angrenzenden
Bereichen zu einem zweitägigen Workshop ein. Durch Wertschätzendes
Erkunden habe sich diese verschiedenen Gruppen kennengelernt,
ihre positiven Erfahrungen ausgetauscht, eine Vision erarbeitet
und neue Projekte der Zusammenarbeit geplant.
Beispiel D
Viele Paare sind auf der Suche danach, die positiven Seiten
ihrer Beziehung zu erhalten und verstärken. Im täglichen
Beziehungsalltag stellt dies eine sehr hohe Herausforderung
dar. Wenn wir in befriedigenden , spannenden und inspirierenden
Partnerschaft leben wollen, dann müssen wir uns ständig
darum bemühen. Mit dem Wertschätzenden Erkunden
ist es möglich, Kreativität, Anerkennung, gemeinsame
Visionen und Lebensfreude (wieder-) zu beleben. Die Voraussetzungen
sind
Lust, sich mit den eigenen positiven Seiten und denen
der PartnerIn zu
beschäftigen,
Interesse neue Denkmuster kennen zu lernen und
Austausch mit anderen Paaren.
Für mehr Vitalität und Lebensqualität in der
Partnerschaft bieten KollegInnen den Workshop "Wertschätzende
Erkundung für Paare" an.
Diese vier Beispiele lassen erahnen, wie groß das Spektrum
der Anlässe ist bei denen mit dem Wertschätzenden
Erkunden wertvolle Beiträge zur Gestaltung von Arbeits-
und Beziehungskontexten geleistet werden kann. Durch die Heterogenität
der Teilnehmer und die Vielfältigkeit der Ideen kann
in kurzer Zeit Synergie entstehen und Energie für die
Erreichung neuer, gemeinsamer Ziele freigesetzt werden. Das
Wertschätzende Erkunden ist also überall dort angebracht,
wo es darum geht:
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Positive Veränderungen herbei zu führen |
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Kooperation und Kommunikation zwischen Abteilungen zu verbessern |
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Teamentwicklungsprozesse effektiv zu gestalten |
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Veränderungen der Organisationskultur einzuleiten |
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Strategien und Zukunftsprojekte partizipativ zu planen |
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Neue Sichtweisen zu erschließen und zu integrieren |
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Konflikte zwischen Partnern zu lösen |
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Vielfältige Veränderungsinitiativen zusammenzuführen |
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Fusionsprozesse zu gestalten |
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etc. |
Das Wertschätzende Erkunden sollte nicht angewandt
werden, wenn das Ergebnis bereits feststeht, es unter einem
Großteil der Beteiligten keinen Willen zu einer positiven
Veränderungen gibt oder wenn maßgebliche interne
oder externe Interessengruppen / Beteiligte / Betroffene nicht
am Prozess teilnehmen können, wollen oder dürfen.
Ausblick [...nach oben]
Was wäre, wenn die wertschätzende Grundhaltung dieses
Verfahrens den Arbeitsalltag in unseren Organisationen stärker
durchdringen würde? Gäbe es dann plötzlich
keine Probleme mehr? Das sicher nicht, aber Probleme würden
in einem anderen Licht stärker als Herausforderungen
wahrgenommen werden. Sie würden dann die Kreativität
hervorrufen anstatt zu lähmen und Hoffnungslosigkeit
zu verbreiten. Die positive Grundhaltung würde zu Höchstleistungen
stimulieren und es ginge stärker um das Miteinander als
um Konkurrenz und Durchsetzungsvermögen. Die Anpassungsfähigkeit
von Strukturen an ein sich ständig wandelndes Umfeld
würde verstärkt und die Vitalität und Lebensqualität
am Arbeitsplatz könnte eine neue Qualität erreichen.
Alles nur ein schöner Traum?
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