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Konferenz? Tagung? Da denkt mensch an Vorträge mit endlosen
Folien, ewigem Sitzen, Langeweile, einem vorgegebenem Programm,
das auf alle ein bisschen, doch auf niemanden richtig passt,
an Podiumsdiskussionen, die "Schlauere" vorne auf
der Bühne führen, an Räume mit Dämmerlicht
und dahindämmernde Teilnehmerschaften. Was mensch sich
herbeisehnt sind die angenehmen Pausen und das Treffen und
den Austausch mit den KollegInnen.
Völlig anders bei open space. Es gibt keine Tagesordnung.
Zu Beginn der Veranstaltung sind alle dabei, denn in den ersten
1 ½ Stunden entsteht die gesamte Arbeits- und Zeitplanung.
Dann folgen alle dem, was für sie interessant und wichtig
ist.
Wie kommt nun diese Struktur zustande? Am Anfang sitzen alle
in einem Kreis, bei mehr als 50 Teilnehmenden in konzentrischen
Kreisen. Nach einer knappen Einführung in die Grundsätze
und das eine Gesetz haben alle, die es wollen, die Möglichkeit,
in die Mitte des Kreises zu gehen und ihre Anliegen zu nennen.
Etwas, das auf den Nägeln brennt, am Herzen liegt, wofür
Bereitschaft besteht, Verantwortung zu übernehmen und
an dem mit anderen gearbeitet werden soll. Alle Anliegen sind
zulässig, auch wenn sie vermeintlich nicht zum Gesamtthema
der Veranstaltung passen.
Wenn die Anliegen an der Wand hängen und Zeiten und
Arbeitsräume feststehen, tragen sich alle dort ein, wo
sie mitmachen wollen. Das ist der "Marktplatz".
Ist er vorbei, beginnen die Gruppen selbstorganisiert zu arbeiten.
Sie teilen sich ihre Arbeitszeit und Pausen in dem vorgegebenen
Rahmen selbst ein. Manche Gruppen arbeiten zu fünft,
andere zu siebenunddreißig, andere zu zweit. Manche
TeilnehmerInnen hummeln von Gruppe zu Gruppe. Jede Gruppe
fasst ihre Ergebnisse, Empfehlungen und Verabredungen selbst
zusammen und veröffentlicht diese für alle anderen
an der "Nachrichtenwand".
Jeweils abends und morgens und auch zum Schluss der Veranstaltung
trifft sich die ganze Gruppe im Kreis, um Erfahrungen und
Eindrücke auszutauschen.
Vor Schluss bekommen alle die fertige Dokumentation der Arbeitsgruppenergebnisse
in die Hand. Falls geplant, dient diese zur Prioririsierung,
Zusammenführung verwandter Anliegen und Entwicklung von
Handlungsschritten.
Im Gegensatz zu den oben erwähnten und zigmal erlebten
Konferenzen erfahren die Beteiligten an Ort und Stelle, dass
es möglich ist und zudem beglückt, selbstverantwortlich
zu handeln, wesentliche Aufgabenstellungen zu erörtern,
Führung gemeinsam auszuüben, mit Unterschieden wertschätzend
und ressourcenorientiert umzugehen und Handlungspläne
zu erarbeiten und zu verabreden. Die Motivation, selbstorganisiert
und selbstgesteuert anzupacken wird von der im open space
entstehenden Synergie getragen und wandert in das alltägliche
Arbeitsleben ein.
Open space wirkt fort: In den Köpfen, in den Handlungen
am Arbeitsplatz, im Stadtteil, in Unternehmensleitungen, im
öffentlichen Leben, im gesellschaftlichen Diskurs, in
der täglichen Meinungsbildung...
Wie das alles genau geschieht, ist noch nicht ausreichend
bekannt wird aber sicherlich mit Theorien und Modellen von
Selbstorganisierenden Systemen und Lernenden Organisationen
weiter erhellt.
Dieser Text ist von Michael M Pannwitz zusammengestellt
in Anlehnung an die Einladung zu der open space-Konferenz
"Was lernen wir für den nächsten Krieg in Europa?"
im September 1999 in Wien.
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